Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor
Hamburg e.V.





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Pressestimmen


31. Dezember 2005 / 1. Januar 2006 - Laeiszhalle, Großer Saal

Ludwig van Beethoven - SINFONIE NR. 9 D-MOLL

Emily Magee, Sopran, Anke Vondung, Alt
Robert Gambill, Tenor, Franz Grundheber, Bass
Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg
Hamburger Symphoniker
Leitung: Philippe Jordan

 

Die Welt, 03.01.2006

Beethovens Neunte hat ihren
Beschwörer 2006 schon gefunden - in der Laeiszhalle

Beethovens Neunte am Neujahrstag wiederzuhören, gleicht einem kollektiven Ritual, das Dirigenten allzu gern routiniert absolvieren. Nicht so Philippe Jordan, der mit der Neunten sein nicht weniger als triumphales Debüt bei den Hamburger Symphonikern feierte. Der junge Stürmer und Dränger, Sohn des dirigierenden Altmeisters Armin Jordan, hat seinen Beethoven offenbar rückwärts gelesen, also nicht von der hohen Warte der klassischen Ausgewogenheit eines Haydn oder Mozart aus betrachtet, sondern ihn mit dem Wissen um Bruckner, Mahler und Schostakowitsch interpretiert, mit dem Bewußtsein des Gebrochenen und des Widersprüchlichen ergründet.

Dieser Beethoven wird zum Vater der Moderne. Jordan kostet das Konfliktpotential schon im Eingangsallegro mit heroischer Härte, geschärften Dissonanzen und streng durchgeführter Kontrapunktik aus. Er inszeniert Gegenwelten, ohne sich im Kleinen zu verlieren. Jordan nimmt die ersten Violinen erstaunlich weit zurück, läßt Nebenstimmen singen und die glänzend aufgelegten Bläsersoli strahlen. Mindestens ebenso überlegen disponiert er das Fugenthema des Scherzos: nimmt die Dynamik immer wieder in geheimnisvolle Pianoregionen zurück, emanzipiert die Pauke vom bloßen Impulsgeber zum Träger einer urwüchsigen elementaren Energie.

Sein Dirigat kennt Ecken und Kanten und ist doch imaginativ und charismatisch. Die bezwingende, sympathische Autorität, die dieser kluge Vollblutmusiker schon mit Anfang 30 ausstrahlt, läßt in ihm gleichsam einen werdenden Simon Rattle erkennen. Das Adagio musiziert er mit einer lyrisch liebevollen Verinnerlichung, die sehr direkt zu Herzen geht und zugleich von vibrierender Vollspannung getragen wird.

Der Freudentaumel des Finales war schließlich kaum je so differenziert und suggestiv zugleich zu vernehmen. Geradezu genial läßt Jordan das Freudenthema bei seinem ersten Aufscheinen in den Celli in feinstem Pianissimo spielen, macht es als bloße Ahnung des Erhofften spürbar, das erst dann voll gültig eintritt, wenn der Gestus der Freude durch die menschliche Stimme seinen revolutionären Geist und seine eigentliche Erfüllung erfährt. Franz Grundheber war der prophetische Interpret der Baß-Worte von den "freudenvolleren" Tönen und führte das wunderbar harmonierende Solistenquartett um Michaela Kaune, Anke Vondung und Robert Gambill an. Der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor zeigte sich überaus wortklar und klangschön mit einer alle Grenzen des Möglichen überschreitenden Endlosfermate auf dem Wort "Gott" Beethovens Utopie der Vokalsymphonie vollauf gewachsen. Die wohl größte Interpretation der Neunten, die man in der Musikhalle seit Jahren erlebt hat. kra

 

 

 

31. Dezember 2004 / 1. Januar 2005 - Musikhalle Hamburg
(Veranstalter: Hamburger Symphoniker)

Ludwig van Beethoven - SINFONIE NR. 9 D-MOLL

Hellen Kwon, Sopran, Katja Pieweck, Alt, Alfons Eberz, Tenor
Franz Grundheber, Bass
Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg
Hamburger Symphoniker
Leitung: Andrey Boreyko

 

Die Welt, 03.01.2005

Der Freude schöner Götterfunken hat gezündet
Andrey Boreyko belebt das revolutionäre Moment


"Herr Kapellmeister, der Freude schöner Götterfunken hat gezündet!", rief ein fortschrittlich gesinnter Gardist in den bewegten Zeiten vom Mai 1849 dem jungen Königlich Sächsischen Hofkapellmeister Richard Wagner nach, der sich über Barrikaden seinen Weg durch das revolutionäre Dresden zu bahnen suchte. Der Meister hatte am Palmsonntag zuvor jene zündende Neunte seines Kollegen Beethoven aufgeführt und notiert im Tagebuch, wie verstörend ihm in jenen Tagen Kunst und Leben eins wurden: "Opernhaus nun abgebrannt: Sonderbares Behagen." Der Maiaufstand scheiterte, der Revoluzzer Wagner verlor seinen Posten, wurde steckbrieflich verfolgt und floh in die Schweiz.

Gerade 156 Jahre nach jener spektakulären Flucht eines hitzigen musikalischen Überzeugungstäters machte Andrey Boreyko mit seinen Hamburger Symphonikern wie einst Herr Wagner in Dresden Beethovens Neunte zur Chefsache, trat an, die Vielgespielte aus jener Beliebigkeit als beschwingtes musikalisches Neujahrsritual zu heben, in dem sich das freudig gestimmte Bürgertum in seiner Kunst ein bißchen selbst feiert und dann so weitermacht wie bisher. In einem Anflug von verträumtem Neujahrsoptimismus darf man sich schon fragen:
Kann die Neunte noch solch brennende Töne entfachen, daß Tempel einstürzen? Oder ist Schillers und Beethovens Freudenode mit ihrem Bekenntnis zum deutschen Idealismus nur noch ein freudiges Lächeln wert? Schillers geschichtsphilosophischer Traum vom "idealen Staat" der Humanität und Menschenliebe, der politischen und inneren Freiheit und des religiösen Glaubens gerade noch historisch interessant?

Boreykos entschiedene Lesart verkündete: Bei diesem Beethoven geht's noch um etwas. Der Maestro evoziert den "verzweiflungsvollen Zustand" des Allegrobeginns, indem er jenes beredte Drängen aus der Nacht zum Licht dramatisch aufwühlt, die utopischen Augenblicke heller Klanginseln kraß gegen die allgegenwärtige Katastrophe stellt. Das manische Fugenthema des Molto-vivace-Scherzos entfacht Boreyko zur rhythmischen Ekstase eines wilden Tanzes: Er entlarvt den Satz programmatisch als eine Flucht ins Leben. Nicht Adagio molto, wie vorgeschrieben, fast schon Andante nimmt Boreyko den langsamen Satz, so, als mißtraue er diesen nur scheinbar elysischen Klängen: "Zu zärtlich", seien die, schreibt Beethoven, "etwas Aufgeweckteres muß man suchen" - und im Finale finden, in dem sich nach den dreifachen Antithesen der vorangegangen Sätze das irdisch menschelnde Freudenthema mit dem göttlich inspirierten Choral "Seid umschlungen, Millionen" als Einheit höherer Ordnung offenbart. Mit vokaler Emphase und klarer Artikulation sang der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor von diesen Freudenwundern. Mit reifem prägnanten Prophetenton führte Franz Grundheber das Solistenquartett um Hellen Kwon, Katja Pieweck und Alfons Eberz an: Beethovens Utopie der Vokalsymphonie blieb allein in den vertrackten Parts der Solisten unerfüllt. An- oder abgebrannt ist jedoch nichts. Die Musikhalle steht noch. Mit den entflammten Herzen der Freundschaft nach Hause zu gehen, heißt aber doch: Der Götterfunke hat gezündet. Peter Krause

 

 

 

Festspiele Mecklenburg-Vorpommern
13. Juni 2004 - Nikolaikirche, Rostock

Felix Mendelssohn Bartholdy - PAULUS

Ulrike Fulde, Sopran, Britta Schwarz, Alt
Andreas Weller, Tenor, Andreas Scheibner, Bass
Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg
Hamburger Symphoniker
Leitung: Michael Schönheit

 

Ostsee-Zeitung, 15.06.2004

„Paulus“ in Rostock fulminant musiziert


Greifswald (OZ) „. . . er ist der Prophet einer schönen Zukunft, wo das Werk den Künstler adelt, nicht der kleine Beifall der Gegenwart . . .“ Robert Schumann beschließt mit diesen Worten einen Artikel, in dem er mit vielen guten Argumenten für Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium „Paulus“ wirbt. Auch heute wird man an diesen nichts auszusetzen haben, vielleicht aber jenen Satz Schumanns bemerkenswert finden, der von zu offensichtlicher Klarheit und Popularität spricht! Aber Mendelssohn sei noch jung und werde sich – zum Manne gereift – großen Stoffen rücksichtsloser, „ohne Ziel und Schranke“, hingeben. „Bis dahin begnügen wir uns mit unserem und lernen und genießen davon.“

Lernen und Genießen! Möglichkeiten dazu gab es vorgestern, denn die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern präsentieren in Rostocks Nikolaikirche einen „Paulus“ von exemplarischer Gestaltungskraft. Für die Protagonisten war das offensichtlich ein Heimspiel. Sowohl die Hamburger Symphoniker als auch der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg – vom prächtigen Solistenensemble Ulrike Fulda (Sopran), Britta Schwarz (Alt), Andreas Weller (Tenor) und Andreas Scheibner (Bass) ganz zu schweigen – verrieten beste Vertrautheit mit einem nur oberflächlich glatten Werk. Wer es einigermaßen authentisch interpretieren will, muss den Zeitgeist bemühen, muss wissen, was seinerzeit im Oratorium wichtig war und welche kompositorischen Standards galten. Auch wenn wir heute manches anders sehen – von dieser Warte aus war in Rostock die ganze Wertepalette Schumanns präsent: das Gefühl „tiefreligiöser Gesinnung“, die Dominanz „edlen Gesangs“ und ein Interpretationsstil, der die „Vermählung des Wortes mit dem Ton, der Sprache mit der Musik“ als so eng wie nur irgend denkbar realisierte.

Das Ergebnis war eine so vollkommene wie stringente Aufführung. Michael Schönheit, Gewandhausorganist und ständiger Dirigent des Hamburger Chores, ließ dem Werk alle notwendige Sorgfalt angedeihen und formte Rezitative, Arien, Ensembles, Choräle und große Chöre zu einem fulminant musizierten Ganzen, zu einem Werk, das tatsächlich Oratoriengeschichte geschrieben hat. Ekkehard Ochs

 

 

 

6./7./8. Februar 2004 - Color Line Arena

Giuseppe Verdi - AIDA

Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg
Hamburger Symphoniker
Leitung: Ralf Weikert

 

Die Welt, 09. 02 2004

Auch Masse kann mitunter Klasse haben, sogar in der Oper
In der Color Line Arena wurde "Aida" bejubelt

Superlative müssen nicht zwingend Gutes bedeuten. Wenn also, wie bei der jüngsten "Aida"-Produktion in der Color Line Arena geworben wurde, Verdis Meisterwerk von der "größten Arena-Oper der Welt" aufgeführt werde, ist zumindest Skepsis angesagt. Hier war sie unbegründet, Masse hatte, in wirkungsvollen Tableaux in der riesigen, magisch beleuchteten Arena arrangiert, mitunter sogar Klasse. Zumal die Hamburger Symphoniker unter der Leitung von Ralf Weikert und der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor - einstudiert vom ehemaligen Staatsopernchordirektor Jürgen Schulz - für absolute Seriosität standen.
Neben den Solisten mit durchweg tadellosen Leistungen.

Wer solche Events der mittleren Zehntausend weniger schätzt, den stören dann die Brillen auf den Nasen ägyptischer Heerscharen, der schlurfende, nicht bis ins Letzte gedrillte Schritt mancher Statisten oder der laxe Sitz einiger Reitersmänner. Abgesehen von den schneidigen Szenen mit zweispännigen Kampfwagen.

Das sind lässliche Sünden (Regie: Petrika Ionesco) in einem Konzept, das immerhin sechshundert Menschen einigermaßen sinnvoll und optisch ansprechend derart in dem mit Sand, Oasen und ägyptischen Accessoires imposant gefüllten Oval der Arena verteilen muss, dass alle Zuschauer etwas davon haben. So werden auch die Solisten zu Langstreckenläufern oder Vollstreckern einer wie zementiert eingesetzten Großgestik, die die psychologische Feinarbeit korrumpieren muss. Macht alles nichts. Die gymnastischen, unfreiwillig komischen Freiübungen (Choreografie: Krzysztof Pastor) auf Verdis ohnehin schwächelnde Ballettmusiken sollten allerdings überdacht, wenn nicht gar gestrichen werden.

Auf einer leicht futuristisch wirkenden, je nach Situation wandelbaren, zentralen Rauminstallation vollzieht sich das tragische Geschehen zwischen der äthiopischen Sklavin Aida, deren Herrin Amneris den ägyptischen Heerführer Radames liebt, der wiederum Aida liebt. Ein musikalisch bewegend wie mitreißend komponierter Teufelskreis, der selbst Massen rührt, wenn eine Chariklia Mavropoulou als Amneris so grandios singt. Auch Daniela Longhi als Aida gewann zunehmend an Sicherheit und stimmlicher Wärme. Bojidar Nikolovs (Radames) kultivierter Tenor klang dagegen belegt. Waren die Mikroports schuld? Johannes van Duisberg, Ivan Urbas und Stefano Rinaldi-Miliani wiederum bestachen durch stimmliche Präsenz. Verdienter Jubel am Ende für alle.Und ein Weiteres zur Vorfreude: 2006 kommt Bizets "Carmen" in die Color Line Arena. MN

 

Hamburger Abendblatt, 07.02.2004

Verdi für Hollywood-Fans
Mammutspektakel: Verdis "Aida"
hatte in der Color-Line-Arena Premiere


Hamburg - Zugegeben, Vorbehalte waren schon da: "Aida" in der Color-Line-Arena. Verdi für alle und nicht mehr nur für einen kleinen Kreis von Opernliebhabern, die nach Konwitschny-Inszenierungen in der hiesigen Staatsoper oftmals hitzige Debatten führten. Doch was ist eigentlich dabei, wenn man keine seitenlange Gebrauchsanweisung mehr lesen muss, um wenigstens eine Ahnung zu bekommen, warum was gerade auf der Bühne passiert und was sich der Regisseur bei all dem gedacht hat? Wenn Oper wie in einem Monumentalfilm aus den 60er-Jahren daherkommt? Nichts.

Aus dieser Perspektive betrachtet, wurde die "Aida"-Premiere zu einem unterhaltsamen Opernabend, bei dem man sich genüsslich mit Knabberzeug in der Hand in den Color-Line-Arena-Sitzen zurücklehnen konnte. Eigentlich wie im Kino, bloß dass hier live gespielt, gesungen und agiert wurde. Große Oper eben im wahrsten Sinne des Wortes: Die 2400 Quadratmeter des Innenraums der Arena waren zentimeterhoch mit Sand bedeckt, vor den Augen der Zuschauer, die wie im Amphitheater drumherum saßen, erhob sich eine überdimensionale Märchenlandschaft aus Tausendundeiner Nacht mit Palmen, Tempelbauten und künstlichen Seen. Statt der Freezers, die hier sonst dem Eishockey-Puck hinterherjagen, schwitzten ägyptische Sklaven, Handwerker, Waschfrauen, Krieger, Bogenschützen, Priester, Kinder, ja, sogar echte Pferde.

Und in diesem Nilszenario spielte sich dann auch die tragische Liebesgeschichte zwischen der gefangenen äthiopischen Pharaonentochter Aida und dem ägyptischen Heerführer Radames ab. Doch diese geriet zwischendurch zur Nebensache. Das Auge wurde mehr durch kriegerische Aktionen, durch im Kreis galoppierende Pferde, pyrotechnische Effekte, Fackelträger, eine Art olympisches Feuer und einen musikalischen Falken abgelenkt. Der berühmte "Triumphmarsch" bekam filmmusikalische Qualitäten, als hätte Verdi Hollywood vorausgeahnt. Ganz im Takt und Gestus der Musik fuhren Streitwagen auf und ab, stellten die Krieger ihre Kampfszenen nach, wurden Sänften hin und her getragen und allerhand ägyptischer Schnickschnack aufgefahren.

Ein Mammut-Spektakel mit allem, was für den Macher des Ganzen, Peter Kroone, dazugehört. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Die Bilder, das muss zugegeben werden, beeindruckten. Manchmal auf Kosten der Musik. Wenn die Protagonisten minutenlang - wie in der Oper üblich - ihr Leid besangen, dann schritten schon einmal ganze Priestertruppen weihevoll über die gesamte Szenerie. Wäre ja auch zu langweilig, nur der Musik zuzuhören. Da war es schon spannender zu beobachten, ob sie alle rechtzeitig zum Ende der Arie auch den Ausgang auf der anderen Seite der Arena erreicht hatten. Zwischendurch betrat noch ein ägyptisch kostümierter Erzähler die Bühne, um schnell noch mal die Handlung zu erklären.

Trotz des ganzen Brimboriums kam die Musik, jedenfalls was die Qualität anging, nicht zu kurz. Die Hamburger Symphoniker musizierten mit einem erstaunlich ägyptischen Fingerspitzengefühl, die Sänger, vor allem die Aida (Daniela Longhi) und Radames (Bojidar Nikolov), hatten hervorragende Stimmen, und der Hamburger Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor sang gut aufgelegt. Die Technik - alles wurde durch Lautsprecher verstärkt - tat ihr Übriges. Und die 10 000 Besucher waren begeistert. Von Bettina Brinker

 


Hamburger Morgenpost, 07.02.2004

Überwältigendes und pures Prunk-Spektakel


Ja, wo singen sie denn? Verdammt schwer, Aida und Co. im Auge zu behalten in der Color Line Arena.

Macht aber nichts, denn dank einer erstaunlich guten Tontechnik ist zumindest der manchmal allzu grelle Power-Sopran Daniela Longhis höchst präsent.

Und wenn schon nicht die versklavte äthiopische Königstochter, gibt es doch reichlich anderes zu entdecken für die 10000 Zuschauer bei dieser weltgrößten Arena-Oper: Kamele, Pferde und ein Falke, vierspännige Kriegswagen, ein künstlicher See, opulente Sänften, gigantische Tempelkulissen. Und tonnenweise Elbsand, durch den die fast 600 Priester, Fischer, Soldaten, Handwerker und Waschfrauen stapfen. Da kann der Zuschauer den eigentlich zentralen Herzenskampf Aidas und Amneris' (Chariklia Mavropoulou als stimmstarke Rachefurie) um den Feldherrn Radames (solide: Bojidar Nikolov) schon mal aus dem Blick verlieren.
Bestens im Griff haben hingegen die opernerprobten Hamburger Symphoniker und der üppige Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor ihren sinnlich-schwülen Verdi: Ralf Weikert dirigiert mit dramatischem Zugriff, schätzt den Effekt gewaltiger Aufgipfelungen bis hin zur schmetternden Triumphmarsch-Emphase. Und da Produzent Peter Koone auf jede Psychologisierung und Politisierung verzichtet, lässt sich diese "Aida" als pures Prunk-Spektakel genießen. Christoph Forsthoff

 

 

 

Der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor auf Konzertreise
21./22. September 2002 - Dom zu Halle / Dom zu Merseburg

Leonard Bernstein - THE CHICHESTER PSALMS
John Knowles Paine - MESSE D-DUR

Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg
Philharmonisches Staatsorchester Halle
Leitung: Michael Schönheit

 

Mitteldeutsche Zeitung, 24.09.2002

Schwelgen in gewaltigen Klängen
Psalm-Musik von Bernstein

Das zweite Domkonzert der Philharmonie war am Sonnabend Chorwerken amerikanischer Komponisten gewidmet. Dazu hatte es neben eigener großer Besetzung den Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg und hervorragende junge Solisten aufgeboten. Michael Schönheit war der souveräne Beherrscher des umfangreichen Ensembles. Die "Chichester Psalms" von Leonard Bernstein (1918-1990) beruhen auf kontrastierenden Psalmtexten in hebräischer Sprache, symbolhaft für die gemeinsame Grundlage des Juden- und Christentums. Die Musik verbindet europäische und amerikanische musikalische Idiome in zurückhaltender Modernität, Gegenpole von Konflikthaftigkeit und Gefälligkeit in die wirkungsvoll instrumentierte Partitur einbindend.

Der großartig agierende Chor und der Quartettgesang der Solisten Friederike Holzhausen (Sopran), Annette Reinhold (Alt), Daniel Sans (Tenor) und Dirk Schmidt (Bariton) boten edelste Vokalkunst. Altus Yves-Michael Kiffner hatte im zweiten Teil ("Der Herr ist mein Hirte") großen Anteil am Erfolg der Aufführung. Er konnte zwar die Naivität der vom Komponisten vorgeschriebenen Knabenstimme nicht verwirklichen, schuf jedoch mit wunderbar klarer Tongebung einen bewegenden Höhepunkt. Ähnlich die A-capella-Passagen des Chores, die besonders im Schlussteil noch einmal die Weite der Idee des Werkes spüren ließen.

Dagegen wandelt die Messe D-Dur von John Knowles Paine (1839-1906) epigonenhaft auf Spuren von Bach bis Mendelssohn: dies weniger im Ideelichen als im Nachbau der musikalischen Errungenschaften anderer. Der farbenreiche Orchestersatz, Chöre mit gewaltigen Fugen, großformatige Solopartien sowie das Ausbreiten vielfältiger Stimmungen waren jedoch mehr Schwelgen in Klängen als geistige Auseinandersetzung. Dass die Messe dennoch viel Zustimmung fand, verdankte sie dem Dirigat Schönheits, der mit sicherem Gespür ein Maximum an Gestaltung inspirierte. Von Claus Haake

 

 

 

22./23. September 2001 - Halle, Dom / Merseburg, Dom

Konzertreise mit dem Philharmonischen Staatsorchester Halle

Giuseppe Verdi - REQUIEM

Ingeborg Herzog, Sopran, Rosemarie Lang, Alt
Leitung: Michael Schönheit

 

Mitteldeutsche Zeitung, 24.09.2001

Bewegendes Verdi-Requiem

Im Domkonzert des Philharmonischen Staatsorchesters gab es am Samstag eine bewegende Aufführung von Guiseppe Verdis "Messa da Requiem", einer der bedeutendsten Chorschöpfungen des 19. Jahrhunderts. In diesem Spätwerk erstand die in zahlreichen Opern bewährte dramatische Kraft des Komponisten in faszinierender Ausstrahlung von treffsicherer melodischer Erfindung, rhythmischer Aktivität und farbenreicher Instrumentierung.

Den glanzvollen Erfolg sicherten der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor (Hamburg), Ingeborg Herzog (Sopran), Christine Hansmann (Alt), Thomasz Kuk (Tenor) und Arkadiusz Burski (Bass), das Staatsorchester und Gewandhaus-Organist Michael Schönheit, dessen Dirigat das gesamte Ensemble mit Präzision, glänzender Übersicht und vollem Einsatz führte.


Bei seiner über weite Strecken bestechenden Dominanz, und von dem erfahrenen Chorspezialisten in engem Kontakt geführt, zeigte der Chor klangliche Homogenität und Klarheit, eine riesige dynamische Spannweite und präzise Detailgestaltung. Inbrünstige Trauer im ersten Teil, an die Schmerzgrenze gehende Eruptionen im "Dies Irae" oder schöne filigrane Beweglichkeit im "Sanctus" sind nur einige Beispiele seines verinnerlichten und engagierten Musizierens.

Stimmgewaltig und differenzierend präsentierte sich auch das Solisten-Quartett (ein Sonderlob dem Sopran im Offertorium), das jedoch ab und zu etwas zu sehr den Solistenstatut betonte. Die Philharmoniker bewährten sich als glänzende Instrumentalisten und sorgten für die Geschlossenheit des gesamten Ensembleklangs.
Die Hörer im voll besetzten Dom waren sehr beeindruckt von der Schönheit und Größe der Musik, in der sich aller Schmerz der Welt, aber auch Hoffnung und Kraftbewusstsein realisierten. cha

 

 

 

23. Juni 2001 - Musikhalle Hamburg, Großer Saal

Georg Friedrich Händel - MESSIAS

Nancy Argenta, Annette Markert, Albrecht Sack, Dirk Schmidt
Merseburger Hofmusik
Leitung: Michael Schönheit

 

Die Welt, 25.06.2001

Aus einem Munde

Michael Schönheit reißt die Arme hoch, geht in die Knie, schaukelt wild hin und her, zeichnet mit den Händen skurrile Formen nach - der Dirigent mit den großen Gesten wirkt überschwänglich emotional. Kein Wunder, schließlich steht er einem beachtlichen Klangkörper vor: Er leitet den Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor mit Händels Messias - einem Werk, das die Zuschauer von den Stühlen reißen kann. Präzise artikulierend schwingen sich die Stimmen locker in luftige Höhen und sind dabei so einheitlich, als kämen sie aus einem Mund. Sie können überwältigend wirken, ohne grob zu sein, eine breite Masse, die nie ihre Beweglichkeit einbüßt.

Das Ensemble der Merseburger Hofmusik sorgt im Hintergrund für beständigen Antrieb, entwirft Linien zum Anfassen. Auch mit den Solisten hat der Chor eine gute Wahl getroffen. Tenor Albrecht Sack und Altistin Annette Markert schmeicheln ihre Silben so einfühlsam um die Töne, dass der Bass von Dirk Schmidt fast etwas hart wirkt. Sopranistin Nancy Argenta aber überragt alle: Mit schlafwandlerischer Sicherheit setzt sie Lichtlein auf ihre Kantilenen. Ihre Intonation bleibt trotz geigerischer Unsicherheiten wie gemeißelt - da blitzt und glänzt alles in strahlender Reinheit.

Und der Chor tut es ihr gleich, etwa im berühmten Halleluja am Ende des zweiten Teils. Manchmal streckt Schönheit die Hände zu den Sängern aus, als wolle er sie alle umarmen. Und der Jubel nach dem Konzert zeigt: Das möchten andere am liebsten auch. nie

 

Hamburger Morgenpost, 25.06.2001

"Messias" entschlackt von allem Missbrauch

Sie haben sich ganz der barocken Musik verschrieben, die sie auf historischen Instrumenten interpretieren. So erklang der "Messias" vom Instrumentalensemble Merseburger Hofmusik unter der engagierten Stabführung von Michael Schönheit entschlackt von allem romantischen Missbrauch. Und das war gut: Temperamentvoll gleich die Sinfonia, flexibel und durchsichtig generell die Spielweise der Musiker aus dem Leipziger Gewandhaus- und dem Händelfestspiel-Orchester aus Halle.

Dem stand ein von Bernd Leste präzise einstudierter Hamburger Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor zur Seite, der homogen strahlen konnte. Die große Partie meisterten die Choristen mit viel Elan und versprühten die nötige durchsichtige Leichtigkeit. Besonders der Sopran gestaltete seinen Part in den Koloraturen mit Bravour.
Auch bei den Solisten hatte man für diese Aufführung auf Spezialisten der Alten Musik zurückgegriffen: Albrecht Sack gab den Auftakt, sein in allen Lagen gleichmäßig voller Tenor steigerte die Erwartungen auf eine exzellente Aufführung, dem folgten Dirk Schmidt mit sonorem Bass und Annette Markert mit warmem Alt. Überragend gestaltete die kanadische Sopranistin Nancy Argenta ihre Partie. Ihre Stimme verströmte diesen magischen, ruhigen Fluss, der das Publikum spürbar berührte. Selbst im dritten Teil überstrahlte ihr Ton den etwas nervösen instrumentalen Untergrund. Schließlich vereinten sich alle beim "Amen", eine gewaltige Bestätigung durchzog die Musikhalle. Julie Ett

 

 

 

25. Juni 2000 - Musikhalle Hamburg, Großer Saal

Felix Mendelssohn Bartholdy - DER ELIAS

Otto Katzameier (Elias), Bettina Jensen, Annette Reinhold
Leitung: Michael Schönheit

 

DIE WELT, 27.06.2000

Dramatische Umsetzung eines Fluchs

Wer will, kann in Mendelssohns erst ein Jahr vor seinem Tod 1846 in Birmingham uraufgeführten Oratorium "Elias" so etwas wie den Ersatz für die sein Leben lang ersehnte, doch ungeschrieben gebliebene große Oper sehen. In diesem Sinn gelang es Gewandhausorganist Michael Schönheit mit dem von Ekkehard Schreiber beispielhaft einstudierten Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor und dem Philharmonischen Staatsorchester Halle, die dem Werk immanente Dramatik aufzuspüren.

Plastizität und Konturenschärfe waren neben voll ausgereizter und flexibler Dynamik die Aktivposten der lange umjubelten Aufführung in der Großen Musikhalle. Und nicht zuletzt eine bestechende Textverständlichkeit, die den Hörer gleich zu Beginn in den dramatischen Bann zog: Ein Fluch liegt über dem von Gott abgefallenen, mit Hunger und Durst geschlagenen Volk.

"Stark, eifrig, auch wohl bös und zornig und finster ... fast zu der ganzen Welt in Gegensatz und doch getragen wie von Engelsflügeln": So lebte die Gestalt des alttestamentarischen Propheten in der Vorstellung Mendelssohns. Ganz im Einklang hiermit gab Otto Katzameier ein fesselndes Porträt des Elias, wobei er seine stentorhafte Stimme in Stücken wie der resignativen Arie "Es ist genug" weit ins Piano zurücknahm.

Mit warm aufblühendem Sopran und einem auffallend kultivierten, lyrischen Tenor reihten sich Bettina Jensen und der Österreicher Michael Nowak in das Solistenquartett ein. Mit makellos glockenreinen Soprantönen machte die auf einer Empore postierte Sabine Puhlmann in der episodenhaften Partie des Knaben nachdrücklich auf sich aufmerksam. Nur die Altistin Annette Reinhold konnte an diesem Abend nicht an ihre Leistungen bei Bach-Aufführungen unter Michael Schönheit anknüpfen. bs

 

 

 

6. Mai 2000 - Musikhalle Hamburg, Großer Saal

In Zusammenarbeit mit dem Schubert-Chor

Konzert zum Hafengeburtstag

Ralph Vaughan Williams - A SEA SYMPHONY
L. van Beethoven - Meeresstille und Glückliche Fahrt
Benjamin Britten - Four Sea Interludes
Bernd Weikl
Leitung: Michael Petermann

 

DIE WELT, 08.05.2000

Meeresstille und glückliche Fahrt

"A Song for all Seas": Punktgenau war in der Großen Musikhalle das erfreulich unkonventionelle Konzertprogramm auf den Hamburger Hafengeburtstag abgestimmt. An Beethovens konzise Kantate "Meeresstille und Glückliche Fahrt" (auf Goethes bekanntes Gedichtpaar) schlossen sich die vier "Sea Interludes" aus Benjamin Brittens Oper "Peter Grimes" an: Klangporträts des wild aufgepeitschten oder auch regenschwer verhangenen Meeres. Und schließlich durfte Michael Petermann ein Plädoyer für Ralph Vaughan Williams' viersätzige "Sea Symphony" wagen, in der (mit Versen Walt Whitmans) Seefahrt auch gleichzeitig als Entdeckungsreise ins eigene Ich verstanden werden will.

Der Schubert-Chor Hamburg hatte sich für die große Aufgabe mit dem Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor zusammengetan. Mit den nicht wenig geforderten Sängerinnen und Sängern, mit dem Schubert-Orchester und den hochrangigen Gesangssolisten Monika Frimmer (Sopran) und Christoph Welzel (Bariton) gelang unter Petermann eine Wiedergabe, die mit ihren hymnisch-ekstatischen Aufschwüngen und überlegen angesteuerten Steigerungen oder Lyrismen wie dem Bariton-Solo über einem weich ausgebreiteten Klangteppich ("On the Beach at Night alone") das Hörinteresse über siebzig Minuten wach hielt. Trotz des überlangen, fast halbstündigen Schlusssatzes ("The Explorers") kam das in englische Chortradition eingebettete Werk hervorragend an. Wie schon 1938, als Williams der erstmals verliehene Shakespeare-Preis der Universität zugesprochen wurde, hat sich Hamburg erneut um das Werk des großen Komponisten verdient gemacht. bs

 

 

 

16. April 2000 - Musikhalle Hamburg, Großer Saal

Johann Sebastian Bach - JOHANNESPASSION

Marcus Ullmann (Evangelist und Arien), Franz Grundheber (Christus)
Ute Selbig, Annette Reinhold, Kay Stiefermann
Leitung: Michael Schönheit

 

DIE WELT, 18.04.2000

Des Heilands Rock soll zerteilt werden

Der flexible, hochmotivierte Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor folgte bei Michael Schönheits erster Hamburger "Johannes-Passion" jedem Wink des Leipziger Gewandhausorganisten und renommierten Chorleiters. Bei Bachs "sprechend" durchgearbeiteten Turba-Chören klang pharisäerhafte Strenge aus der "Wir haben ein Gesetz"-Fuge. Das Bild der um des Heilands Rock losenden Kriegsknechte wurde bei dem sich am Schluss fast überschlagenden "Lasset uns den nicht zerteilen" lebendig. Und was die emotional eher bewusst distanzierten, im Zeitmaß flüssig genommenen Choräle betrifft, stachen das archaisch-strenge "Christus, der uns selig macht" und das von aller Erdenschwere gelöste "Ach, Herr, lass dein lieb' Engelein" heraus. Klare lebendige Artikulation - gleich ob beim Chor oder dem ad hoc zusammengestellten Instrumentalensemble - war für Schönheit oberstes Gebot. Die Evangelistenpartie, gleichsam das Rückgrat, war dem höhensicheren, schon jetzt erstaunlich modulationsfähigen ehemaligen Kruzianer Marcus Ullmann anvertraut. Auch die Sopranistin Ute Selbig, seit Jahren Ensemblemitglied der Dresdener Semperoper, und die Leipziger Altistin Annette Reinhold waren ein Gewinn für die Aufführung in der Musikhalle. Mit Kay Stiefermann (Bass) hatte ein Mitglied des Hamburger Opernstudios eine Auftrittschance bekommen. Und ein Sänger vom Rang eines Franz Grundheber? Gerade ein Christus-Wort wie das "Mein Reich ist nicht von dieser Welt" klang aus seinem Mund auffallend diesseitig. Gerade der Christus des Johannes-Evangeliums ist eine allem Irdischen enthobene Gestalt, der Gesandte seines himmlisches Vaters. bs

 

 

 

21. März 2000 - Musikhalle Hamburg

JOHANN SEBASTIAN BACH - GEBURTSTAGSHOMMAGE

Brandenburgisches Konzert V, Orchestersuite III
Kantate "Gott soll allein mein Herze haben" BWV 169
Kantate "O ewiges Feuer" BWV 34
Jochen Kowalski (Altus), Dirk Schmitz (Tenor), Jörg Hempel (Bass)
Leitung: Michael Schönheit

 

Hamburger Morgenpost, 23.03.2000

Gelungene Feier für den Jubilar

Es war Bachs 315. Geburtstag und die Musikhalle lud zur Feier ein. Das Interesse im Jubiläumsjahr war groß, der Große Saal gut gefüllt. Der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor samt Orchester unter der Leitung von Michael Schönheit stellte klar und temporeich Ausschnitte des Bachschen Opus vor. Die Ouvertüre in D-Dur, befreit vom oft üblichen Schmelz, gewann ihren originalen Tanzcharakter zurück. Mit klaren Spannungsbögen legte sie den Stil für den übrigen Abend vor: Präzise der Chor in seiner Interpretation der Motette "Der Geist hilft unserer Schwachheit auf" wie auch das Orchester im 5. Brandenburgischen Konzert. Höhepunkt waren zwei Kantaten mit Alt-Arien. Für den erkrankten Jochen Kowalski war der englische Countertenor David Courdier eingesprungen. Sehr leicht und sauber in den Höhen überzeugte er auch kritische Kowalski-Anhänger. Die Begeisterung auf der Bühne sprang über: Langer Applaus für einen gelungenen Abend. Dem Jubilar hätte es gefallen. Von Ann-Cathrin Harders

 

Die Welt, 23.03.2000

Von Bach entflammt

In Hamburg, nicht gerade eine Hochburg der Alte-Musik-Szene, war David Cordier nur Insidern bekannt. Dass es dem Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor gelang, ihn jetzt für die "Geburtstags-Hommage Bach" in der Musikhalle zu gewinnen - als "Einspringer" für den erkrankten Jochen Kowalski -, machte neugierig. Nicht mit der gleichen ebenmäßigen Stimmführung wie Kowalski (zu hören auf einer CD von 1994), doch mit höhensicherer Strahlkraft ohnegleichen sang der mit Beifall überschüttete englische Countertenor die Solokantate "Gott soll allein mein Herze haben". Das Programm bot facettenreich Werke des großen Jubilars. Mit Michael Schönheit (Cembalo), Thomas Brandis (Violine) und Wolfgang Ritter (Flöte) als Concertino-Solisten wurde das 5. Brandenburgische Konzert geradezu ein Stück transparenter Kammermusik. Und auch bei der von Schönheit dirigierten Ouvertüren-Suite Nr. 3 war (wie beim Air) die Abkehr vom sonst oft eingedickten, sämigen Streicherklang hoch willkommen. Die Motette "Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf" schließlich wollte Schönheit nicht als A-cappella-Musik verstanden wissen. Instrumentale Stützen entsprachen den Gepflogenheiten der Bach-Zeit. Ein besonderes Ereignis dann im Überschwang der "zündelnden Flammen" die letzte Programmnummer: Bachs Pfingstkantate "O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe". bs

 

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